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Wie Mathe-Hausaufgaben endlich ohne Streit gelingen

13. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

Mittwoch, kurz nach 18 Uhr. Dein Kind holt die Mathe-Hausaufgaben raus, und du merkst sofort: Heute wird das wieder schwierig. Du setzt dich dazu und willst helfen, aber dein Kind hört gar nicht zu und sagt: „Das kann ich sowieso nicht.“ Obwohl du es ruhig erklärst, blockt es ständig ab, und auch du wirst langsam angespannt. Am Ende ist die Aufgabe nicht gelöst, und ihr sitzt frustriert am Tisch.

Kennst du das? Damit bist du nicht allein. Viele Eltern erleben diese Szene Woche für Woche. Aber Mathe-Hausaufgaben am Küchentisch müssen nicht in Tränen enden. Diese fünf Schritte helfen dir dabei:

  1. beginne die Lerneinheit mit einem ruhigen Einstieg ohne Druck,
  2. agiere als Partner, nicht als Prüfer,
  3. zerteile Aufgaben in kleine Schritte,
  4. gib nur so viel Hilfe wie nötig,
  5. beende die Lerneinheit mit einem sichtbaren Erfolg.

Du brauchst dafür weder Druck noch besondere Mathe-Kenntnisse, sondern die richtige Reihenfolge. Die gehen wir jetzt gemeinsam durch.

Warum es am Küchentisch eskaliert

Wenn dein Kind bei Mathe so frustriert reagiert, hat das eine Vorgeschichte. Dein Kind hat häufig erlebt, dass Mathe-Hausaufgaben nicht auf Anhieb funktionieren, und diese Erfahrungen haben sich festgesetzt. Und wenn wir mit etwas negative Erfahrungen gemacht haben, schieben wir es vor uns her, um das unangenehme Gefühl nicht noch einmal erleben zu müssen (Sirois und Pychyl, 2013).

So ist es auch bei den Mathe-Hausaufgaben. Der Abend kommt, und noch ist nichts gemacht. Du setzt dich dazu und willst gemeinsam draufschauen. Für dich ist das Unterstützung, dein Kind erlebt die Lage aber ganz anders. In seinem Kopf steht längst fest: „Jetzt sitzen wir wieder zusammen, und wieder werde ich es nicht verstehen.“ Jeder Erklärversuch droht dann genau das zu bestätigen und das kratzt an seinem Selbstwert. Deshalb wehren gerade Kinder, die sich in Mathe unsicher fühlen, Hilfe oft von vornherein ab, um sich davor zu schützen (Ryan und Pintrich, 1997).

So entstehen die Sätze, die du kennst: „Das haben wir im Unterricht nie so gemacht“ oder „Bei euch war das früher ganz anders.“ Das ist ein Schutzmechanismus. Wer vorher erklärt, warum es gar nicht klappen kann, bei dem liegt ein schlechtes Ergebnis nicht an der eigenen Fähigkeit, sondern an den Umständen. Das beruhigt kurzfristig und hält den Selbstwert in Sicherheit, schadet aber langfristig dem Lernen (Urdan und Midgley, 2001).

Jetzt steckt ihr in der Falle. Du willst sachlich das mathematische Problem lösen, aber dein Kind ist gar nicht auf der sachlichen Ebene, es ist im Abwehrmodus. Solange diese emotionale Barriere steht, kommt keine Erklärung durch, egal wie gut sie ist.

Was du dagegen tun kannst

1. Beginne die Lerneinheit mit einem ruhigen Einstieg ohne Druck

Bevor es um Mathe geht, geht es um das Gefühl. Steig nicht mit „Lass uns anfangen“ ein, sondern sprich aus, was du siehst: „Mathe nervt dich gerade, oder?“ Das klingt klein, hat aber nachweislich eine große Wirkung: Ein Gefühl in Worte zu fassen senkt messbar die Stressreaktion im Gehirn (Lieberman u. a., 2007). Und der Gefühlszustand entscheidet mit, denn eine gelöstere Stimmung verbessert nachweislich das Problemlösen (Isen u. a., 1987). Erst wenn dein Kind den Abwehrmodus verlässt, ist es überhaupt aufnahmefähig.

So setzt du es praktisch um: Ein, zwei anerkennende Sätze zu Beginn der Lerneinheit, wie „Ich sehe, dass dich das gerade ärgert. Lass uns kurz durchatmen und dann zusammen draufschauen, okay?“, genügen. Achte dabei auf deine eigene Ruhe, denn deine Anspannung überträgt sich genauso wie deine Gelassenheit.

2. Agiere als Partner, nicht als Prüfer

Jetzt, wo die Spannung sinkt, kommt es darauf an, wie du hilfst. Gehst du die Aufgaben durch wie ein Lehrer, der abfragt und Fehler anstreicht, fühlt sich dein Kind geprüft, und diese Art Hilfe wird abgewehrt (Ryan und Pintrich, 1997). Stattdessen muss dein Kind dich als Partner wahrnehmen. Das heißt: Ihr arbeitet gemeinsam an einer Aufgabe, ohne dass dein Kind den Eindruck hat, dass es bewertet wird.

So setzt du es praktisch um: Setz dich neben dein Kind, nicht ihm gegenüber, und sprich von „wir“: „Womit fangen wir an?“ Richte deine Worte dabei immer auf die Aufgabe, nicht auf dein Kind. Sag „Hier stimmt noch etwas nicht, schauen wir gemeinsam, woran es liegt“ statt „Nein, das ist falsch“. So wird dein Kind zu deinem Mitstreiter, nicht zu deinem Prüfling.

3. Zerteile Aufgaben in kleine Schritte

Ihr sitzt jetzt gemeinsam an den Hausaufgaben, der Druck ist raus. Nun kommt es darauf an, wie ihr eine Aufgabe angeht. Ist eine Aufgabe lang oder komplex, wirkt sie schnell wie ein einziger großer Block, an dem man nur scheitern kann. Zerlege sie deshalb in kleine, klare Lösungsschritte. Bei einer Textaufgabe heißt das zum Beispiel: erst herausschreiben, was gegeben ist, dann überlegen, was gesucht ist, und erst danach rechnen. Eine Aufgabe so weit herunterzubrechen, dass jeder einzelne Schritt zur Fähigkeit deines Kindes passt, ist einer der am besten belegten Hebel beim Lernen (Wood, Bruner und Ross, 1976).

So setzt du es praktisch um: Frag nicht „Wie geht die Aufgabe?“, sondern „Was ist der allererste Schritt?“, und bleibt dort, bis er sitzt. Dann kommt der nächste Schritt, dann der übernächste. Hak jeden erledigten Schritt sichtbar ab, das macht den Fortschritt spürbar.

4. Gib nur so viel Hilfe wie nötig

Habt ihr die ersten Schritte gemeinsam geschafft, zieh dich nach und nach zurück und lass dein Kind mehr und mehr allein machen. Der Grund: Nur was es selbst tut, bleibt hängen, und nur so hat am Ende dein Kind die Aufgabe gelöst, nicht du. Übernimmst du den Stift, nimmst du ihm genau das Erfolgserlebnis weg, um das es geht. Am wirksamsten ist Hilfe deshalb, wenn sie sich Stück für Stück zurücknimmt, bis dein Kind ganz ohne sie auskommt (Wood, Bruner und Ross, 1976).

So setzt du es praktisch um: Stockt es, gib den kleinsten möglichen Hinweis, nicht die ganze Lösung. Eine gezielte Frage bringt oft mehr als eine Ansage, etwa „Was wissen wir denn schon?“ Sobald es wieder läuft, sag nichts mehr und lass dein Kind weitermachen. Dein Ziel ist, dich überflüssig zu machen, nicht, schnell fertig zu werden.

5. Beende die Lerneinheit mit einem sichtbaren Erfolg

Ist die Aufgabe gelöst, mach den Erfolg sichtbar: „Das hast du gerade ganz allein gelöst, toll gemacht!“ So bleibt nicht der anfängliche Frust hängen, sondern das Gefühl, es geschafft zu haben. Jede selbst gelöste Aufgabe ist ein Beweis gegen „Ich kann das sowieso nicht“.

Und das wirkt über die Zeit. Je öfter dein Kind erlebt, dass es eine Aufgabe mit deiner ruhigen Begleitung selbst schafft, desto kleiner wird beim nächsten Mal die Abwehr. Aus „Ich kann das nicht“ wird Schritt für Schritt „Ich schaffe das“. Du brauchst dafür keinen perfekten Abend, sondern viele kleine, an denen es am Ende heißt: Das hast du geschafft.

Kurz zusammengefasst

  • Dein Kind schiebt Matheaufgaben auf, um einem unangenehmen Gefühl zu entgehen.
  • Sätze wie „Das haben wir nie so gemacht“ sind ein Schutzmechanismus, kein Angriff. Diese emotionale Barriere muss zuerst beseitigt werden.
  • Nimm zuerst den Druck raus, indem du das Gefühl benennst, und begib dich in die Rolle eines Partners statt eines Prüfers.
  • Zerlege anschließend die Aufgabe in kleine Schritte und gib nur so viel Hilfe wie nötig, damit dein Kind sie selbst löst.
  • Beende den Abend mit einem sichtbaren Erfolg, denn jedes selbst geschaffte Ergebnis baut Sicherheit fürs nächste Mal auf.

So lösen sich die schwierigen Abende Stück für Stück auf, und der Frust am Tisch verschwindet.

Quellen

  • Isen u. a. (1987): Positive Affect Facilitates Creative Problem Solving. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Lieberman u. a. (2007): Putting Feelings Into Words. Affect Labeling Disrupts Amygdala Activity in Response to Affective Stimuli. uclahealth.org
  • Ryan und Pintrich (1997): Should I Ask for Help? The Role of Motivation and Attitudes in Adolescents’ Help Seeking in Math Class. doi.org
  • Sirois und Pychyl (2013): Procrastination and the Priority of Short-Term Mood Regulation. onlinelibrary.wiley.com
  • Urdan und Midgley (2001): Academic Self-Handicapping. What We Know, What More There Is to Learn. link.springer.com
  • Wood, Bruner und Ross (1976): The Role of Tutoring in Problem Solving. onlinelibrary.wiley.com

Häufige Fragen

Für viele Kinder fühlt sich Hilfe annehmen an wie zugeben „Ich kann es nicht“, und das bedroht ihren Selbstwert. Gerade Kinder, die in Mathe oft scheitern, rechnen schon vorher damit, es wieder nicht zu verstehen, und wehren Hilfe deshalb aktiv ab, oft mit Sätzen wie „Das haben wir nie so gemacht“. Solange diese emotionale Barriere steht, kommt keine Erklärung an. Deshalb ist es erst einmal wichtig, diesen emotionalen Druck rauszunehmen. Ein Weg ist, das Gefühl deines Kindes zu benennen, etwa mit „Mathe nervt dich gerade, oder?“. So fühlt sich dein Kind verstanden, und der erste Widerstand lässt nach. Nachdem diese Barriere abgebaut ist, geht es an die gemeinsamen Hausaufgaben. Dabei sollte dein Kind nicht das Gefühl haben, du seist eine prüfende Lehrkraft, die es beurteilen will, sondern ein Partner, der gemeinsam an der Aufgabe arbeitet. Vermeide deshalb Sätze wie „Das ist falsch“ und stell lieber Fragen wie „Warum glaubst du, dass das so ist?“.

Die gesamte Lösung zu zeigen, ist kein guter Weg. Wenn du die Aufgabe übernimmst, hat am Ende nicht dein Kind sie gelöst, sondern du, und das verstärkt das Gefühl „Allein schaffe ich das nicht“. Wirksamer ist es, immer nur so viel Hilfe zu geben wie nötig und sie zurückzunehmen, sobald dein Kind allein weiterkommt. Stockt es, gib den kleinsten möglichen Hinweis statt der ganzen Lösung, am besten als Frage. So bleibt dein Kind beteiligt und löst die Aufgabe am Ende weitgehend selbst.

Zunächst ist es wichtig, die Anspannung deines Kindes zu lösen, bevor ihr überhaupt mit Mathe startet. Sprich dafür zuerst aus, was dein Kind gerade fühlt, etwa „Mathe nervt dich gerade, oder?“. Das nimmt den Druck raus, und dein Kind öffnet sich für deine Hilfe. Setz dich danach als Partner daneben, nicht als Prüfer, der bewertet. Schaut gemeinsam auf die Aufgabe und nehmt sie euch in kleinen Schritten vor, damit sie nicht wie ein unüberwindbarer Berg wirkt, sondern in machbare Häppchen zerfällt. Hilf dabei nur so viel, dass dein Kind den nächsten Schritt selbst schafft. Und hat es die Aufgabe gelöst, dann freut euch kurz gemeinsam und lobe seine Anstrengung, etwa „Super, wie du drangeblieben bist!“. Aus genau diesen kleinen Erfolgen entwickelt dein Kind mit der Zeit die Haltung „Ich kann Mathe“.

Thomas Krebs

Über den Autor

Thomas Krebs

Mitgründer von Mathopia

Thomas hat sieben Semester lang Mathe für Ökonomen unterrichtet und dabei Tausenden Studierenden durch ihre Klausuren geholfen. Immer wieder hat er erlebt, wie Studierende mit großen Lücken zu ihm kamen, überzeugt, die Klausur nicht bestehen zu können. Mit einer ehrlichen Diagnose und konkreten nächsten Schritten verschaffte er ihnen erste Erfolgserlebnisse, wodurch sie sich Mathe wieder zutrauten und ihre Prüfungen bestanden. Heute macht er mit Mathopia diese Erfahrung allen Schülerinnen und Schülern zugänglich.

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