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Herbstferien clever nutzen: Mathe aufholen, ohne die Ferien zu opfern

12. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

Die Herbstferien beginnen, und in deinem Kopf treffen zwei Gedanken aufeinander. Dein Kind will vor allem eins: endlich Pause, ausschlafen, nichts müssen. Und du denkst dir: Jetzt wäre doch mal Zeit, diese Mathe-Lücke in Ruhe zu schließen, ohne den Druck der nächsten Arbeit im Nacken. Beide Gedanken sind berechtigt, und genau deshalb fühlt es sich oft nach einem Entweder-oder an: entweder Ferien, die zum Lernlager werden, oder zwei Wochen gar nichts, nach denen das Loch noch größer ist als vorher.

Dieses Entweder-oder gibt es aber nicht. Die Ferien sind tatsächlich eine gute Gelegenheit, in Mathe einen Schritt voranzukommen, nur anders, als die meisten denken. Nicht mit täglichem Pauken, sondern mit erstaunlich wenig. In diesem Artikel zeige ich dir, wie dein Kind die freie Zeit so nutzt, dass es nach den Ferien ein Stück weiter ist und trotzdem das Gefühl hatte, Ferien gehabt zu haben.

Warum eine Pause für Mathe ein zweischneidiges Schwert ist

Erholung ist keine verschenkte Zeit. Ein Kopf, der zwei Wochen zur Ruhe kommt, lernt danach wieder besser, und gerade nach den ersten anstrengenden Schulwochen ist eine echte Pause wichtig. Zugleich ist Mathe das Fach, das unter einer langen Pause am meisten leidet. Eine große Auswertung von 39 Studien hat untersucht, was über die Sommerferien mit dem Gelernten passiert: Im Schnitt verlieren Kinder dabei rund einen Monat Lernstand, und dieser Verlust ist in Mathe deutlich größer als im Lesen, am größten beim reinen Rechnen (Cooper u. a., 1996). Der Grund ist einleuchtend: Lesen passiert im Alltag ständig nebenbei, auf einem Schild, in einer Nachricht, in einem Buch. Ein bisschen Alltagsmathe zwar auch, beim Einkaufen, beim Blick auf die Uhr, beim Aufteilen einer Pizza. Es gibt aber viele Themen, die in der Schule wichtig sind und im Alltag trotzdem selten vorkommen, der Satz des Pythagoras zum Beispiel. Was nicht benutzt wird, verblasst, und gerade solche Verfahren verblassen besonders schnell.

Die Herbstferien sind kürzer als der Sommer, der Effekt ist also kleiner. Aber der Mechanismus ist derselbe. Und darin steckt zugleich die gute Nachricht: Wenn schon das Nichtstun eine messbare Wirkung hat, dann reicht umgekehrt auch wenig, um das Gelernte warmzuhalten. Es braucht keinen Ferienkurs, nur ab und zu Kontakt mit dem Stoff.

Der Fehler, den die meisten machen: der Ferien-Marathon

Wenn Eltern beschließen, die Ferien zu nutzen, sieht der Plan oft so aus: jeden Vormittag eine große Portion Mathe, am besten gleich ein ganzes Kapitel am Stück. Das ist gut gemeint, aber ausgerechnet die ineffektivste Variante. Eine Studie, die das mit echten Mathe-Aufgaben geprüft hat, zeigt es deutlich: Wenn Schülerinnen und Schüler in einer einzigen Sitzung zusätzliche Aufgaben rechneten, mehr als nötig, um es einmal zu können, hatte dieses Mehr an Aufwand Wochen später keinerlei Effekt auf das Ergebnis. Dieselbe Menge an Übung dagegen, verteilt auf zwei Sitzungen mit einer Woche Abstand, verbesserte die Leistung nach vier Wochen erheblich (Rohrer und Taylor, 2006). Ein Lern-Marathon kostet also vor allem die Ferien, ohne dafür viel Bleibendes zu bringen. Nicht die Menge an einem Tag entscheidet, sondern dass der Stoff über mehrere Tage immer wieder vorkommt.

So nutzt ihr die Ferien richtig

Wenig, aber regelmäßig. Plant lieber kurze Einheiten von etwa 15 bis 20 Minuten an mehreren Tagen als einen großen Lerntag. Verteiltes Üben über die Zeit festigt den Stoff nachweislich am besten (Cepeda u. a., 2008), und nebenbei bleibt der Tag für alles andere frei. Wenn ihr dafür ein Werkzeug sucht, das von allein kurze, passende Aufgaben liefert und das Niveau selbst einstellt, ist Mathopia genau dafür gemacht.

Eine Lücke, nicht der ganze Stoff. In der Schule kommt ständig neuer Stoff dazu, da bleibt kaum Zeit, Altes aufzuarbeiten. Genau das macht die Ferien wertvoll: Sie sind die seltene ruhige Phase ohne Nachschub. Nutzt sie, um eine konkrete Baustelle zu schließen, die aus der letzten Arbeit oder vom Zeugnis, statt „Mathe allgemein“ zu üben. Welche Lücke das ist und wie ihr sie findet, haben wir hier beschrieben: Wenn dein Kind in Mathe den Anschluss verliert.

Früh anfangen, nicht am letzten Ferientag. Die Versuchung ist groß, das Thema vor sich herzuschieben, bis am Sonntag vor Schulbeginn die Panik kommt. Das ist der Marathon in seiner schlimmsten Form und widerspricht genau dem, was wirkt. Legt die paar kurzen Einheiten lieber auf den Anfang und die Mitte der Ferien. Dann ist das Thema erledigt, bevor es die ganze freie Zeit überschattet, und das Gelernte hat bis zum Schulstart noch ein paar Tage, um sich zu setzen.

Schütz die Erholung. Das Wichtigste zum Schluss: Die Pause ist nicht der Gegner des Lernens, sie gehört dazu. Wenn die kurzen Einheiten erledigt sind, ist Schluss, ohne schlechtes Gewissen. Ein Kind, das in den Ferien das Gefühl hatte, eigentlich die ganze Zeit an Mathe denken zu müssen, kommt nicht erholter zurück, sondern genervter. Wenig, gezielt und früh heißt eben auch: Der große Rest gehört den Ferien.

Die Ferien müssen sich also nicht zwischen „gar nichts“ und „Lernlager“ entscheiden. Ein bisschen Mathe, regelmäßig über ein paar Tage verteilt, gezielt auf eine Lücke und früh erledigt, reicht völlig. So kommt dein Kind nicht mit einem größeren Loch aus den Ferien zurück, sondern einen Schritt voraus, und hatte trotzdem richtig frei.

Kurz zusammengefasst

  • Über längere Pausen verblassen Mathe-Fähigkeiten stärker als die in anderen Fächern, besonders die Rechenverfahren. Schon wenig regelmäßiger Kontakt hält sie warm.
  • Ein Lern-Marathon ist die ineffektivste Variante: Viel Üben an einem Tag bringt langfristig kaum etwas, verteiltes Üben über mehrere Tage dagegen deutlich mehr.
  • Plant kurze Einheiten von 15 bis 20 Minuten an mehreren Tagen statt eines großen Lerntags.
  • Nehmt euch gezielt eine konkrete Lücke vor, nicht den ganzen Stoff, und fangt früh in den Ferien an, nicht am letzten Tag.
  • Schützt die Erholung: Ist die kurze Einheit erledigt, gehört der Rest des Tages den Ferien.

Quellen

  • Cooper u. a. (1996): The Effects of Summer Vacation on Achievement Test Scores. A Narrative and Meta-Analytic Review. doi.org
  • Rohrer und Taylor (2006): The Effects of Overlearning and Distributed Practice on the Retention of Mathematics Knowledge. doi.org
  • Cepeda u. a. (2008): Spacing Effects in Learning. A Temporal Ridgeline of Optimal Retention. doi.org

Häufige Fragen

Ein bisschen ja, aber nicht als Schulersatz. Über längere Pausen verblassen ausgerechnet die Mathe-Fähigkeiten stärker als die in anderen Fächern, vor allem die Rechenverfahren, weil Lesen im Alltag ständig vorkommt und manche Themen draußen selten gebraucht werden, der Satz des Pythagoras zum Beispiel (Cooper u. a., 1996). Schon kurze, regelmäßige Einheiten reichen, um das Gelernte warmzuhalten. Der Rest der Ferien darf dann wirklich Erholung sein, denn auch die gehört zum Lernen dazu.

Wenig, aber regelmäßig. Kurze Einheiten von etwa 15 bis 20 Minuten an mehreren Tagen schlagen einen einzelnen langen Lerntag deutlich. In einer Studie mit Mathe-Aufgaben brachten zusätzliche Aufgaben in einer einzigen Sitzung Wochen später gar nichts, während dieselbe Übung auf zwei Sitzungen verteilt die Leistung nach vier Wochen stark verbesserte (Rohrer und Taylor, 2006). Nehmt euch dabei gezielt eine konkrete Lücke vor, nicht den ganzen Stoff.

Ja, wenn es gezielt passiert. Ferien sind die seltene Zeit ohne neuen Stoff von der Schule, ideal, um eine bestimmte Baustelle in Ruhe zu schließen. Verteiltes Wiederholen über mehrere Tage festigt den Stoff langfristig am besten (Cepeda u. a., 2008). Fangt früh in den Ferien an statt am letzten Tag, dann steht das Thema nicht die ganze Zeit wie eine Wolke über den freien Tagen.

Thomas Krebs

Über den Autor

Thomas Krebs

Mitgründer von Mathopia

Thomas hat sieben Semester lang Mathe für Ökonomen unterrichtet und dabei Tausenden Studierenden durch ihre Klausuren geholfen. Immer wieder hat er erlebt, wie Studierende mit großen Lücken zu ihm kamen, überzeugt, die Klausur nicht bestehen zu können. Mit einer ehrlichen Diagnose und konkreten nächsten Schritten verschaffte er ihnen erste Erfolgserlebnisse, wodurch sie sich Mathe wieder zutrauten und ihre Prüfungen bestanden. Heute macht er mit Mathopia diese Erfahrung allen Schülerinnen und Schülern zugänglich.

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